WASSERFRAU
von Manuela Huber


Ich tauche auf
aus einem Traum
und weiß wieder
- habe es immer gewusst -
eine Wasserfrau bin ich und
kann auf dem Trockenen
nicht mehr
lange leben
 
so streife ich
langsam 
steifes Bettzeug ab

züngle rot
über Lippen und
schlucke
salzig
meinen seltsamen Traum

tröpfle leicht
über die Stufen
und fließe leise
aus dem Haus
zum mondbeschienenen Meer
wo silberweich die Welt glänzt.

zärtlich verwässert sich
endlich
mein Menschsein
ins Blaue hinein

und kühl erregt mit weicher Hand
mich die erfreute See.

Tränen perlend versinken
Meer und Frau
ineinander
zerfließen
ins innig ungetrennte Mehr

schuppig schön
wächst fest mein Fischschwanz
immer größer

ich rieche
schmecke
höre
spüre
unbändig.

meine Gedanken 
- so müde und
immer müder
und dann treiben sie
tot an mir vorbei
zum Ufer

und Tiere des Waldes
sehen zu
stumm

mein wässriges Spiegelbild.
lang zerfließen
Haare wie Honig
über spitzen Brüsten

Traumgeborene.
du bist das Salz
der Meere so
trällert beweglich das Wasser

dunkel erinnere ich
ein Menschenmädchen
mit honigblondem Haar das
vielleicht
vor tausend Jahren einmal
gelebt hat
 
und irgendwann
ist sie nachts aufgewacht und
musste musste
ins Wasser gehen
 
oder sie hat alles
nur geträumt
und wacht soeben
stöhnend auf
 
oder sie träumt
jetzt immer noch
schweißgebadet

oder sie liebkost
das Salz des Meeres
in das ich eingetrunken bin...

© Manuela Huber


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